Nichts verpassen
Wann erscheint der nächste Band? Gibt es eine Lesung in der Nähe? Fragen an den Autor, Leserpost, Anfragen von Schulen und Buchhandlungen – alles bitte hierhin:
Unvergessliche Ferien – wenn man sie überlebt.
Ein fußnägelaufrollendes, ultraspannendes, geheimnisvolles, superlustiges, haarsträubendes, mitreißendes, ultraexpopartiärgünessupraspanisches Abenteuer für Weltenbummler ab 9 Jahren
»Wenn ich noch einmal Teenager wäre, würde ich mir genau so einen Freund wie Aurelius Grünspan wünschen. Eigentlich würde ich mir auch heute so einen Freund wünschen.«
»Als er ›Die Grüne Sonne‹ durchhatte, klappte er es direkt vorne wieder auf und las es nochmal.«
»Abenteuer, Action und Humor auf höchstem Niveau – eine spannende Lektüre für jung und alt. Ich hatte einen Riesenspaß beim Lesen!«
Ein Auftakt, der alles richtig macht. Spannung, die einen festhält. Wissen, das nebenbei hängen bleibt. Und Charaktere, in die man sich sofort verliebt. … Für Kinder ab 9 Jahren? Ja. Für Erwachsene mit Herz für Abenteuer? Auch ja.
Eine Herzensempfehlung und 5 Sterne für den Start einer Reihe, die genau das macht, was gute Kinderbücher machen sollten: Die Welt größer.
Jeder Band erzählt von einer neuen, abgeschlossenen Reise, neuen Herausforderungen und einem neuen geheimnisvollen Bruchstück der Wunschmaschine.

Sommer, Sonne, große Ferien – wie sie schlimmer nicht sein könnten! Oder?
Die Nachbarskinder Möhre, Alex, Pit und Tom müssen zu Hause bleiben. Ihr Urlaubsort: der heimische Innenhof. Spaßfaktor = Null. Doch dann stoßen sie auf einen unterirdischen Geheimgang und begegnen dem verrückten Professor Aurelius Grünspan. Der sitzt seit 23 Jahren in der Badewanne und sammelt Dinge, die zu nichts nütze sind. Er erzählt ihnen von einer Wunschmaschine, deren Teile über die ganze Welt verstreut sind und von üblen Schurken missbraucht werden. Nur Kinderhände können sie finden und wieder zusammenfügen!
An Bord des magischen Schiffs KAH stechen die vier jungen Helden in See. Ihr erstes Ziel: Ägypten! Hier erwarten sie Pyramiden, Wüsten und ein fieser Scheich namens Kero-Sin – und die Erkenntnis, dass man mit Mut und Freundschaft die dicksten Mauern einreißen kann.
Ferien wie diese gab es noch nie. Aber werden die Kinder sie überleben?
Lieber in die Buchhandlung um die Ecke? Einfach mit der ISBN-Nummer bestellen:ISBN: 9789403909493
Erscheint Anfang 2027!Ein Teil der Wunschmaschine ist gefunden. Doch damit haben die vier jemanden aufgeschreckt, der sehr lange im Verborgenen gewartet hat.
Weit draußen auf dem Ozean, hinter dicken Scheiben aus Glas und Stahl, sitzt ein Mann, der Professor Grünspan von früher kennt – aus einer Zeit, als beide noch andere Namen trugen. Und er hat ganz und gar keine guten Absichten. Als die KAH Kurs auf Portugal und Nordafrika nimmt, ahnen Möhre, Alex, Pit und Tom noch nicht, dass sie mit dem Erfolg ihrer ersten Mission einen Gegner auf den Plan gerufen haben, dessen Macht jeden Winkel der Erde durchdringt. Und der wirklich alles dafür tut, damit das auch so bleibt. Absolut alles.
Und während es immer verrücktere Gestalten auf ihr Leben abgesehen haben, müssen sie erkennen, dass Aurelius Grünspan ihnen nicht die ganze Wahrheit gesagt hat …
Zwei neue Länder, eine irrwitzige Hetzjagd, schräge Gestalten und ein Geheimnis, das alles in ein ganz neues Licht rückt. Hätten die Vier geahnt, auf was sie sich einlassen, wären langweilige Ferien das Paradies gewesen.
Erscheint Sommer 2027!Eine Nachricht aus dem Mittelalter – adressiert an vier Kinder von heute.
Barcelona. In der Krypta der Kathedrale entdecken Möhre, Alex, Pit und Tom eine Säule mit einer uralten Inschrift, vor über 500 Jahren in den Stein gemeißelt. Sie beginnt mit: »Salvete, Pit, Moehre, Alex, Tom!« Wer hat ihre Namen gekannt, lange bevor sie geboren waren? Und warum sollen sie das nächste Teil der Wunschmaschine ausgerechnet in Amerika suchen?
Ein Handgemenge mit einem übereifrigen Mönch, ein greller Blitz – und plötzlich schreibt man das Jahr 1492. Kolumbus hat keine Lust mehr, Amerika zu entdecken, die Inquisition sucht nach Hexen, und ohne das Maschinenteil gibt es keinen Weg zurück. Höchste Zeit, die Weltgeschichte zu retten. Notfalls mit Karaoke.
Eine müffelnde Königin mit Appetit auf Tomaten, ein Mönch mit mehr Wehwehchen als Gewissen, eine Überfahrt ins Ungewisse und ein Gegner, der ihnen näher ist, als sie ahnen. Und dann ist da noch diese elende Zeitreise-Logik, die einem wirklich das Hirn verknotet.
Jedes Abenteuer bringt ein Bruchstück zurück ans Herz der KAH. Wohin die Reise führt? Das wissen nur die Wellen.

Unterschiedlicher könnten die vier nicht sein – und genau deshalb sind sie unschlagbar.
Heißt eigentlich Myriam – aber wegen ihrer feuerroten Haare nennt sie kein Mensch so. Sie hat eine feine Antenne für Dinge, die andere nicht wahrnehmen: Stimmungen, Geheimnisse, Übersinnliches. Darüber lässt sich streiten. Allerdings nicht mit Möhre – denn was sie weiß, das weiß sie eben.
Heißt eigentlich Petra. Sie hat fast alle Bücher gelesen, die es gibt, kennt die Antwort auf beinahe jede Frage – und behält sie nicht mal für sich, wenn man sie ganz doll darum bittet. (Außerdem hat sie meistens recht. Leider.)
Toms Eltern lösen Probleme mit Geld – deshalb besitzt er einen Supercomputer. Was ihm fehlte: Freunde und echte Abenteuer. Die gute Nachricht: Genau das ändert sich jetzt. Die schlechte Nachricht: Genau das ändert sich jetzt.
Den passenden Hut hat er schon. An Coolness und Gefahreninstinkt muss er noch arbeiten. Möhres kleiner Bruder ist zwar der Jüngste – aber definitiv nicht der Vorsichtigste. Erst handeln, dann nachdenken.
Tipp: Figuren antippen, um die Animation neu zu starten.
Alles, was man über die Welt der Grünen Sonne wissen muss – garantiert ohne Spoiler. Die Markierung zeigt, ab welchem Band ein Eintrag vorkommt.
Ein unscheinbares Flaschenschiff, das sich in ein magisches Segelschiff verwandelt – und zugleich das Herz der zerstörten Wunschmaschine ist.
Lebt seit dreiundzwanzig Jahren in einer rollenden Badewanne – zusammen mit seiner Gummiente Edeltraud – und sammelt Dinge, die zu nichts nütze sind. Wer er wirklich ist? Gute Frage.

Vor langer Zeit, auf einer Insel, an deren Namen sich heute keiner mehr erinnert, fanden die Bewohner einen Jungen am Strand – mit einer grünen Sonne in der Handfläche. Sein Name war Kah-ya. Von ihm, einem Schiff als Geschenk der Sterne und einer Maschine, die Wünsche wahr werden ließ, erzählt die Sage aus Band 1.
Die Sage von Kah-ya lesenWüstentyrann. So breit wie hoch – und dabei doppelt so gemein. Wohnt in einer Burg, die ganz aus Wasserfässern gebaut ist, und lässt sich den ganzen Tag von seinem Hofschmeichler loben.
Herrschte vor über 3000 Jahren über Ägypten. Was er heute so treibt? Sagen wir: Er hat ein neues Hobby gefunden.
Wer allein durch die ägyptische Wüste irrt, sollte sich vor ihr in Acht nehmen. Sie ist die hinterhältigste Luftspiegelung der Welt – und tritt am liebsten als Oberkellner auf.
Jede Reise beginnt mit einer Vorgeschichte. Hier sind beide.
Im Inneren des Sterns herrschen neunzehn Millionen Grad Celsius, die übliche Temperatur. Ein Sonnenstrahl macht sich auf seine Reise über 149 480 000 Kilometer Richtung Erde. Er hat keine Eile und doch schießt er in Lichtgeschwindigkeit voran. Schon bald überholt er mit breitem, zufriedenem Grinsen eine Gruppe angeberischer, auf ihr mickriges Tempo stolze Asteroiden. Die reinste Verkehrsbehinderung, diese Krücken! Auf Seite, Platz da, ihr Penner, hier komme ich!
Nach knapp 6 Minuten Flug taucht neben ihm gleißend hell die Venus auf und er überlegt kurz, ob er hier schon landen soll. Immerhin ist er noch 350 Grad heiß und je weiter er sich von zu Hause entfernt, desto mehr kühlt er ab. Aber der Planet liegt ihm zu weit rechts und Kurven fliegen macht ihm keinen Spaß. Außerdem bedeckt Venus ihre faltige Oberfläche lückenlos mit Wolken, das alte Mädchen ist wohl immer noch ein bisschen scheu. Überhaupt würde das ja schon das Ende seiner Reise bedeuten … Nö, dann lieber noch ein bisschen durchs Weltall fegen, bis er auf die Erde auftrifft wie geplant. Es dauert sowieso nur noch eine Minute bis zu seiner Ankunft. Und da erscheint die Erde auch schon, direkt vor ihm: eine pechschwarze, kreisrunde Silhouette, die frei im unendlichen Raum schwebt und rasend schnell größer wird.
Plötzlich, in tiefer Stille, so als hielte der gesamte Kosmos die Luft an, um den majestätischen Moment zu unterstreichen, erglüht der Rand der Erdkugel in einem Ring aus leuchtendblauem Licht. Bei diesem Anblick ist der Sonnenstrahl sehr froh, dass er nicht auf der Venus gelandet ist.
Jetzt fehlt ihm nur noch ein geeigneter Platz für seine Ankunft. Er muss sich beeilen, schon ist er in die Erdatmosphäre eingetreten – ihm bleiben nur noch Bruchteile von Sekunden. Er braust durch Sauerstoff, der ungeheure Fahrtwind reißt an ihm. Unter sich sieht er bereits Meere und Länder. In höllischem Tempo kommt die Erdoberfläche näher. Der Sonnenstrahl kann gerade noch einem Flugzeug ausweichen. Immer deutlicher erkennt er Hausdächer und Straßen. Er hat gar nicht gewusst, dass dieser Planet bewohnt ist. Oje, denkt er, bestimmt werden sich diese Bewohner über mich ärgern, weil ich ihnen so wenig Hitze mitbringe. Von den stattlichen neunzehn Millionen Grad im Inneren der Sonne sind nur lächerliche sechsunddreißig Grad übriggeblieben – so gut wie nichts.
Gleich ist es soweit, der Lärm der Stadt unter ihm ist schon zu hören, er riecht die Abgase. Haarscharf fegt er am Dach eines Hochhauses vorbei, beinahe wäre er gegen die Regenrinne gekracht. Schräg unter ihm liegt ein viereckiger Hinterhof und darin … He, sitzt da nicht ein kleiner Erdbewohner? Von hier oben kann der Sonnenstrahl die knallrote Baseballmütze des Jungen erkennen. Kursänderung! Er schießt die Fassade des Hochhauses hinunter, schneller, schneller, die Fenster fliegen an ihm vorbei. Durch die Scheiben sieht er Menschen: Sie sitzen an Küchentischen oder auf Sofas, arbeiten, telefonieren, streiten, freuen sich. In jedem Stockwerk, in jedem Fenster spielt eine neue Geschichte. Die Dächer der Garagen um den Hof rasen auf ihn zu. Der Sonnenstrahl zielt genau, denn er weiß, er hat nur einen Versuch. Sein Countdown läuft: dritter Stock – zweiter Stock – erster Stock – uuuund … er trifft die rote Baseballkappe des Jungen.
Endlich, nach einer Reise von acht Minuten und achtzehn Sekunden ist der Sonnenstrahl planmäßig auf der Erde gelandet.
Der Sturm über dem Ozean war in den letzten Stunden abgeflaut, doch noch immer trieb ein eisiger Wind turmhohe Wellen vor sich her. Die bleigrauen Wasserwände rannten gegen die künstliche Insel an, als wolle die Urgewalt der See mit aller Macht diesem riesigen Fremdkörper aus Glas und Stahl, der dort, weit entfernt von irgendeiner Küste, einsam im Meer trieb, ein Ende machen. Der Lärm von Wind und Wellen wäre ohrenbetäubend gewesen, hätte es Ohren gegeben, die ihn hätten hören können.
Im Inneren der Glaskuppel hingegen, die auf der Spitze der Insel thronte, herrschte die Stille eines Grabes.
Schon seit Stunden sah er hinaus auf die entfesselten Naturelemente. Langsam löste er den Blick – ein Blick, so schwarz und abgrundtief, dass Seelen darin für immer verschwanden – von der kochenden See und setzte sich in einen breiten Sessel.
Es hat also begonnen, dachte er und wandte den Kopf, sodass er die sechs Gestalten, die dort reglos standen, ansehen konnte. Kein Laut war zu hören, das dicke Glas schützte das Innere der Kuppel vor den Elementen von außen, und nicht einmal das Atmen der Anwesenden durchdrang die kalte Stille. Das war kein Wunder, denn schließlich war keiner der sechs Anwesenden menschlicher Natur, selbst wenn ihre Gestalt das vielleicht vermuten ließ. Sauerstoff brauchten sie genauso wenig zum Leben wie Helligkeit zum Sehen.
Durch den Regen, der gegen die Glaswand peitschte, fiel fahles Licht auf die Gesichter der sechs Gestalten und ließ ihre reglosen Züge scheinbar wie Wachs zerfließen.
Er blickte sie an, einen nach dem anderen. Sie dienten ihm, schon so lange. Seit alles angefangen hatte. Er benutzte sie, wie es seiner Stellung als ihr Schöpfer zukam.
»Es hat begonnen«, sprach er schließlich mit einer Stimme, die von einer Welle aus Eis getragen schien. »Wir haben gewusst, dass es geschehen würde, und nun geschieht es.«
Was bedeutete schon die Prophezeiung? »… und neu entstehe durch Kinderhand, was zerrissen und getrennt.« Er kannte die Prophezeiung gut, denn er war selbst dabei gewesen, als sie einst ausgesprochen wurde. Doch wo stand geschrieben, dass eine Prophezeiung tatsächlich wahr werden musste? War es nicht vielmehr eine Warnung vor dem, was geschehen könnte? Wenn nicht jemand – wenn nicht er selbst – es verhindern würde? Und er würde es verhindern! Er und seine Geschöpfe.
»Vier Kinder haben die Kah in ihren alten Zustand versetzt«, fuhr er schließlich fort, »und sie sind unterwegs, um die Maschinenteile einzusammeln. Eines befindet sich bereits in ihrem Besitz. Sie haben in Ägypten das Artefakt gestohlen, das die Macht über das Wasser verleiht.«
Seinen sechs Geschöpfen war keine Regung anzumerken. Kein Zucken, kein leichtes Kneifen der Augen huschte über die toten Gesichter.
»Dass sie ein Teil gefunden haben, ist weiter kein Problem. Es steckt im Gerüst und ist jetzt seiner Macht beraubt. Ein einziges Teil ist nichts. Doch wir müssen unter allen Umständen verhindern, dass die Kinder an weitere Artefakte gelangen. Unsere Mitarbeiter melden, dass sie sich mittlerweile im westlichen Mittelmeer befinden. Unterrichtet den dortigen Hüter des Maschinenteils und weist ihn an, die nötigen Maßnahmen zu ergreifen. Unsere gemeinsame Aktion darf unter keinen Umständen gestört werden. Wie viele Tage bleiben noch bis zur Operation ›Königskrone‹?«
Eine der dunklen Gestalten hob das Gesicht und blickte ihren Gebieter aus toten Augen an. »Vier Tage, Herr Vorstandsvorsitzender.«
»Gut, ich verlasse mich darauf, dass der Hüter des Artefakts sich selbst darum kümmert. Es sind bloß vier Kinder, das sollte also kein Problem für ihn sein.«
Er drehte den sechs Gestalten wieder den Rücken zu und starrte hinaus in den Sturm. Blitze zuckten vom Himmel, trieben kaltes, blaues Licht über den zerrissenen Horizont. »Für euch, den Vorstand, habe ich eine andere Aufgabe. Die Kinder sind nicht allein. ER ist bei ihnen. Er nennt sich jetzt Aurelius Grünspan.«
Ob diese Kinder ahnten, wem sie sich da anvertraut hatten? Sie wussten vermutlich gar nicht, wer der alte Mann tatsächlich war, wie sehr er ihrer Hilfe bedurfte und wie er sie dabei für seine Zwecke ausnutzte. Oh, er kannte Aurelius, er kannte ihn gut. Damals, als sie beide noch andere Namen trugen. Damals, als sie noch nicht ahnen konnten, wie eng ihre Schicksalsfäden eines Tages verknüpft sein würden. Sie waren wie zwei Schalen einer Waage: Des einen Untergang würde des anderen Aufstieg sein; ohne die Vernichtung des einen konnte der andere nicht triumphieren.
Wieder zuckte ein Blitz über den bleigrauen Himmel und flutete das Innere der Glaskuppel mit eiskaltem Licht.
»Ich will, dass ihr die Mitarbeiter eurer Abteilungen ausschickt, um mir Aurelius Grünspan zu bringen«, zischte er. »Bringt ihn zu mir, hierher auf die Insel … und versenkt das Schiff.«
Er würde ihm direkt in die Augen blicken. Und mit dem letzten Licht seines sterbenden Auges würde Aurelius sehen, wie sich die Waagschale seines Gegners in den Himmel hebt.
A. E. Rothe heißt eigentlich Alexander von Eisenhart Rothe, wurde 1968 in Köln geboren und arbeitete bereits mit 16 für den Bastei-Lübbe Verlag als Cartoonist. Dort veröffentlichte er mit Anfang zwanzig seinen Roman »Die Wunschmaschine« – den Vorläufer von »Die Grüne Sonne«. Gleichzeitig arbeitete er als Schauspieler, Regieassistent und Hörspielsprecher. 1995 wurde sein Theaterstück »Hem« in Bonn uraufgeführt, wo es drei Jahre lang lief.
Seitdem arbeitet er als Autor, Regisseur und Produzent für verschiedene TV-Formate und bereiste als Dokumentarfilmer die ganze Welt. Die Reiselust inspirierte ihn zu dem Comedy-Reiseformat »Pastewka in …« für RTL, das für den Grimme-Preis und den Deutschen Fernsehpreis nominiert wurde. Zu den bekanntesten Formaten, die er schrieb und bei denen er Regie führte, gehört die ZDF-Show »Nicht nachmachen«. Vier Jahre lang schrieb er eine feste Kolumne in der Berliner Literaturzeitschrift »Das Magazin«.
2012 erschien im Baumhaus Verlag die Wiederauflage der »Wunschmaschine«. Die vielen schrägen Erlebnisse seiner Reisen verarbeitete er in seinem Road-Roman »Rauschgold« (2025).
»Die Grüne Sonne« ist die komplette Überarbeitung der »Wunschmaschine« und bildet den Auftakt einer Reihe. Band 2 ist bereits fertig und erscheint Anfang 2027.
Alexander von Eisenhart Rothe lebt seit 2007 mit seiner Frau und einer wechselnden Anzahl an Haustieren auf Ibiza, trommelt gern zum Sonnenuntergang am Strand und will da nicht mehr weg … außer für Lesungen. Die liebt er.
Empfohlen ab 9 Jahren, doch das Buch liest sich auch für 12- bis 14-Jährige noch spannend. Selbst die Eltern lassen sich beim Vorlesen häufig von der Geschichte mitreißen.
Ja, aber nie belehrend. Jede der vier Hauptfiguren trägt ihre eigenen Sorgen mit sich, vom Gefühl, vernachlässigt zu sein, bis hin zu verdrängten Ängsten. Diese Themen werden nicht erklärt, sondern über die Handlung nachvollziehbar gemacht und finden stets eine positive Auflösung.
Es gibt spannende Verfolgungsjagden und gefährliche Gegenspieler, aber keine Gewaltverherrlichung: Konflikte werden durch Mut, List und den Zusammenhalt der Gruppe gelöst.
Nein, jeder Band ist in sich abgeschlossen und eigenständig lesbar. Allerdings wartet am Ende stets ein Cliffhanger, der Lust auf die Fortsetzung macht.
Auf jeden Fall. Die lebendige Sprache, der Humor und die schrägen Nebenfiguren machen nicht nur Kindern, sondern auch den vorlesenden Eltern Spaß.
Mit mehreren hundert Seiten ist jeder Band für ein Kinderbuch ungewöhnlich umfangreich. Hier bekommt man eine Menge Abenteuer, das immer wieder zum Weiterlesen einlädt, statt an einem Nachmittag »durch« zu sein.
Als Pädagoge liest man Kinderbücher selten unschuldig: Was nimmt ein Kind mit, wenn die letzte Seite umgeblättert ist? Bei A. E. Rothes »Die Grüne Sonne« lautet die Antwort: mehr, als der turbulente Abenteuerplot vermuten lässt. Hinter der Reise von Tom, Möhre, Alex und Pit durch einen unterirdischen Maschinenkosmos, die ägyptische Wüste und die hohe See steckt ein Buch, das sein junges Publikum ernst nimmt und dort hinschaut, wo viele Kinderbücher lieber wegsehen. Und, nicht zu unterschätzen: Es ist spannend geschrieben, ein echter Page-Turner. Kaum ist ein Rätsel gelöst, eine Verfolgungsjagd überstanden oder eine Gefahr gebannt, wartet schon die nächste Wendung – kurze Kapitel, ständige Cliffhanger und der Wechsel zwischen den vier Handlungssträngen sorgen dafür, dass man als Leser, ob acht oder achtzig, das Buch nur schwer aus der Hand legt.
Rothe traut seinen Lesern etwas zu: einen nicht künstlich vereinfachten Wortschatz, erzählerisches Tempo und beiläufig eingestreutes Sachwissen aus Physik, Geschichte und Geografie – Lernen, ohne dass es je als solches etikettiert wird. Die vier Hauptfiguren sprechen und denken hörbar unterschiedlich – Pit präzise und wissenschaftlich, Alex handlungsorientiert, Möhre ironisch-souverän, Tom unsicher-großspurig –, was Kindern implizit zeigt, dass es nicht die eine richtige Art gibt, klug oder mutig zu sein.
Der Humor ist dabei nie Selbstzweck, sondern eine vorgelebte Bewältigungsstrategie: Man darf über sich selbst und über schwierige Situationen lachen, ohne sie zu verharmlosen. Rothe bedient sich dafür eines ganzen Repertoires: Situationskomik (Professor Grünspans nutzlose Maschinen, seine Gummiente Edeltraud), Running Gags und die Selbstironie der Figuren. Besonders gelungen ist der britisch anmutende Nonsens-Humor, mit dem lebensbedrohliche Momente gebrochen werden: Als Möhre kurz vorm Verdursten in der Wüste zusammenbricht, taucht kein Rettungstrupp auf, sondern ein tadellos gekleideter Kellner, der sie nach einer Tischreservierung fragt, mitten im Sand einen einzelnen Tisch serviert und sein Fernglas zückt, um nachzuschauen, ob »der Tisch frei ist« – eine Slapstick-Szene mit Timing, die Angst und Komik gleichzeitig zulässt. Auch der Hofschmeichler am Hof des Tyrannen Kero-Sin ist ein Meisterstück: Mit immer absurderen Ehrentiteln (»o Herr über Millionen Sandkörner, dessen Ruhm bis in die entferntesten Fernen des Universums strahlt«) entlarvt die Figur, wie Machtmissbrauch von Unterwürfigkeit lebt – ein Witz, über den Kinder lachen, der aber ganz nebenbei ein politisches Prinzip sichtbar macht.
Was das Buch von vielen Abenteuergeschichten unterscheidet, ist der Mut, unbequeme Realität nicht auszusparen. Tom wird von leistungsorientierten Eltern jeden Sommer bei einer lieblosen Großmutter »abgeliefert« und kompensiert die Leere mit Statussymbolen. Pit ist als hochbegabtes Kind isoliert und ihrem eigenen Vater entfremdet. Alex trägt die stille Wut über die Trennung seiner Eltern mit sich herum. Möhre übernimmt, kaum bemerkt von den Erwachsenen, früh Verantwortung. Einsamkeit ist so der Grundton, aus dem die Freundschaft der vier erst glaubwürdig erwächst.
Ähnlich unverstellt geht das Buch mit Fremdenfeindlichkeit um: In einem ägyptischen Café bekommen Pit und Alex zu hören: »Wir mögen hier keine Fremden.« Der Text banalisiert das nicht, sondern lässt spüren, wie es sich anfühlt, allein wegen der Herkunft unerwünscht zu sein – im bewussten Kontrast zur offenen Freundlichkeit, die den beiden andernorts von einfachen ägyptischen Landarbeitern entgegengebracht wird. Die Botschaft: Ablehnung ist eine Charakterfrage Einzelner, kein Merkmal einer Kultur.
Auch ökologische Verantwortung wird nicht additiv »draufgesetzt«, sondern erlebbar gemacht: Pit riskiert ihr Leben, um einen sich in einem Geisternetz verfangenden Delfin zu befreien. Kinder erleben eine konkrete Heldentat mit echtem Risiko – das bleibt hängen, wo Belehrung abprallt.
Die eindrücklichste Szene des Bandes: Möhre, von Kero-Sins Soldaten gefangen genommen, entkommt mit einer List, bricht allein in der Wüste zusammen und wird von koptischen Mönchen gesund gepflegt. Als diese sich weigern, mit den muslimischen Bewohnern der Nachbaroase gegen den Tyrannen Kero-Sin zusammenzuarbeiten – »Wir wollen mit Moslems nichts zu tun haben!« –, hält Möhre den versammelten Mönchen vom Glockenturm aus eine Rede: Kampf »für so dumme Sachen wie ›Vaterland, Rasse und Blut‹« sei »hirnloser Schwachsinn«, kein Mensch sei mehr wert als ein anderer, »bloß weil er in einem bestimmten Land geboren wurde« oder »eine besondere Religion« habe. Ein Teil der Mönche lässt sich überzeugen und reitet mit ihr zur Oase – wo sich das Muster spiegelt: Die misstrauischen Bewohner weisen die »Christen« zunächst ebenso schroff ab, bis Möhre sich auf die gemeinsame Pflicht der Gastfreundschaft beruft und ein Bündnis entsteht. Keine Seite wird als moralisch überlegen dargestellt – beide hegen Vorurteile, beide überwinden sie. Für Kinder ist das Toleranz nicht als Forderung, sondern als Handlung mit spürbaren Folgen.
Vier Identifikationsfiguren mit unterschiedlichen Stärken, ehrlich dargestellte Angst und Mut trotz Angst, ein unaufdringliches Plädoyer für Toleranz, die Normalisierung von Vernachlässigung und Andersartigkeit ohne Problemgeschichte zu werden, dazu beiläufiges Sachwissen – das macht »Die Grüne Sonne« zu einem seltenen Glücksfall: Es unterhält mit Tempo und schräger Fantasie und schreibt nebenbei leise, aber wirksam am Charakter mit. Für Eltern, die ihren Kindern Lesefreude schenken wollen, ohne auf Substanz zu verzichten, ist es genau deshalb eine klare Empfehlung.
Wann erscheint der nächste Band? Gibt es eine Lesung in der Nähe? Fragen an den Autor, Leserpost, Anfragen von Schulen und Buchhandlungen – alles bitte hierhin:
Vor langer Zeit, lange bevor die Menschen sich in großen Städten zusammenfanden, bevor es Länder mit Grenzen gab, Herrscher, die sie regierten, und Völker, die sie bewohnten, als die Wüsten noch Wiesen und die Wälder undurchdringlich und geheimnisvoll waren, gab es eine Insel im Meer, an deren Namen sich heute keiner mehr erinnert.
Die Bewohner dieser Insel waren friedlich und zahlreich und sie kannten keine Not, denn ihre Felder und das Meer gaben ihnen Nahrung im Überfluss. Sie nannten sich Die Glücklichen unter der Sonne und diesen Namen trugen sie zu Recht.
Auf dieser Insel lebte ein Junge, der Kah-ya genannt wurde. In einer sternenklaren Nacht hatte der Häuptling ihn am Strand gefunden und ins Dorf gebracht, wo er in der Gemeinschaft heranwuchs. Niemand wusste, woher er kam, der einzige Hinweis war eine Tätowierung in seiner rechten Handfläche, die eine grüne Sonne zeigte. Nach diesem Bild gaben sie ihm den Namen Kah-ya, der in ihrer Sprache Sonnenkind bedeutete.
Eines Tages verhüllte die Sonne ihr Antlitz, schwarze Wolken türmten sich auf, der Wind peitschte die Wellen und ein wütender Sturm fegte über das Land. Wo der Blitz einschlug, brannte die Erde, der Orkan riss ganze Bäume aus dem Boden und wirbelte sie durch die Luft. Wellen, so hoch wie Berge, krachten auf die Küste und überspülten die Dörfer. Verzweifelt suchten die Menschen Zuflucht in den Wäldern, aber der Sturm fand sie, wo auch immer sie sich versteckten. Die Flüsse traten über ihre Ufer, das Vieh ertrank, und bald waren Wälder, Wiesen, Dörfer und Felder zerstört.
Als der Sturm fortgezogen war, blieb das Unglück der Insel treu; die Erwachsenen ließen die Jüngeren in den sicheren Höhlen und gingen hinunter zum Meer, um zu sehen, welchen Schaden der Sturm über das Dorf gebracht hatte. Doch kaum erreichten sie den Strand, da grollte und bebte die Erde so heftig, dass kaum einer sich auf den Beinen halten konnte.
Das Beben löste im Meer eine große Flutwelle aus, die in unvorstellbarer Geschwindigkeit auf den Strand zuraste, sich himmelhoch aufbaute und mit Donnern und Krachen über der Küste einstürzte, um alles mit sich zu reißen, dessen sie habhaft werden konnte. Als die Erwachsenen sie kommen sahen, war es schon zu spät – nicht einer entkam. Jeder einzelne wurde mit in die gurgelnde, schäumende See gerissen und starb den kalten Tod auf dem Meeresgrund. Als an diesem Abend die Sonne unterging, waren die Kinder die letzten Bewohner der Insel.
In der Nacht waren die Kinder sehr verzweifelt. Zwar versuchten die Älteren, die Kleinen zu beruhigen, doch diese weinten und schrien nach Nahrung und nach ihren Eltern. Aber es gab nichts mehr zu essen, und ohne die Erfahrung und das Wissen der Erwachsenen war es nur eine Frage von Tagen, bis auch der letzte Funke Leben auf der Insel verlöschen würde. Die Kinder beschlossen, dass einer der ihren sich auf den Weg machen sollte, um Hilfe zu finden. Sie alle fürchteten diese Aufgabe, denn sie hatten ihr Dorf noch nie verlassen, und niemand konnte ahnen, was für Gefahren den Wanderer erwarteten.
Schließlich fiel die Wahl auf Kah-ya, denn er war der älteste. Die Kinder schmückten ihn mit den Zeichen des Häuptlings: einem goldenen Stirnreif und einer schweren, edelsteinbesetzten Kupferplatte, die sie ihm um den Hals hängten.
»Entweder ich kehre mit Rettung zurück – oder gar nicht!«, sprach Kah-ya, wandte sich um und verließ ohne einen Blick zurück das Dorf. Er durfte sich nicht umdrehen, denn er wollte nicht, dass die anderen seine Tränen sahen.
Kah-ya lief den Strand entlang, weil er fürchtete, sich im Wald zu verlaufen. Die Küste war völlig verwüstet, überall lagen umgestürzte Bäume, die der Wind wie dürre Äste durch die Luft gewirbelt hatte. Das Meer war vom Sturm aufgewühlt und in der einsetzenden Dämmerung schien es Kah-ya, als fauchten die Wellen ihn an, während sie mit großen, schwarzen Händen nach ihm griffen.
Als es zu dunkel wurde, um weiterzugehen, entzündete Kah-ya ein Feuer. Müde und verzweifelt starrte er in die Flammen. Er wusste, dass er die letzte Hoffnung seiner Freunde war und diese Last drückte ihn schwer. Das Feuer warf tanzende Schatten und immer wieder beschlich ihn das Gefühl, er sei nicht alleine am Strand. Kah-ya hatte große Angst – jedes gefährliche Tier der Insel war jetzt auf der Suche nach Beute und würde ohne zu zögern einen Menschen angreifen. Auch die Tiere kämpften um ihr Überleben.
Das einzige, was Kah-ya mitgenommen hatte, war seine Flöte. Er legte sich auf den Rücken, blickte zu den Sternen, die funkelnd am Firmament standen, und versuchte, eine Melodie zu spielen, die ihn an glücklichere Tage erinnerte. Doch er fand die Töne nicht mehr, die vom Glück erzählten. Er konnte das ganze Elend der Insel spüren, bleischwer lag es auf ihm und würgte ihn.
Plötzlich hielt er es nicht länger aus; er hatte das Gefühl, er müsse platzen. Also sprang Kah-ya auf die Füße und tanzte … tanzte … tanzte sich das Unglück aus dem Körper, tanzte, um all die Hoffnungslosigkeit zu vergessen. Er wirbelte um das Feuer, stampfte mit den Füßen, schneller, schneller, er wollte sich drehen, bis ihm das Herz im Körper zersprang und der Schädel platzte. Schneller, schneller, immer im Kreis, die Arme flogen um seinen Leib, er zuckte, rollte sich zusammen, streckte sich, sprang in die Luft, ließ den Boden unter seinen Tritten erbeben, und er schrie, schrie sich den Schmerz aus der Seele, schrie all seine Verzweiflung irgendjemandem zu, irgendjemandem da draußen in der Nacht. Und der Schmerz wich der Wut, der brennenden Frage nach dem Warum. Warum der Sturm? Warum die Sintflut? Warum das ganze Unglück und … warum ich? Kah-ya schlug und trat in den Sand, als wolle er ihn bestrafen. Ohne auf die Glut zu achten, rannte er mitten durch das Feuer und die Funken stoben zu allen Seiten, umfingen ihn wie ein Schutzschild aus Licht. Er hörte das Blut in seinen Ohren rauschen und das Herz in seiner Brust trommeln. Der Schweiß lief an seinem Körper herab, ließ ihn im Licht des Lagerfeuers glänzen. Endlich hob er seine Flöte aus dem Sand und blies eine Melodie, in die er seinen ganzen Zorn legte, eine Melodie, die von Qual und Hoffnungslosigkeit erzählte.
Und die Melodie erfüllte die Nacht, stieg auf, schwang sich in die Lüfte, höher und höher bis zu den Sternen. Sie schallte von den Felsen hinaus aufs Meer und wurde von den Wellen zurück an Kah-yas Ohr getragen. Da wurden die Töne zu Wörtern und die Wörter zu Sätzen und es war Kah-ya, als höre er eine Stimme, die zu ihm sprach:
»Höre, Kah-ya! Siehe, Kah-ya! Glaube an dich, vertraue deiner Kraft!«
In diesem Augenblick geschah etwas Wunderbares: Die Sterne begannen sich zu bewegen, sie funkelten wie Edelsteine, zogen über den Nachthimmel, um alle zusammenzufinden und gemeinsam zu leuchten wie ein einziger, riesiger Stern, der die Nacht sonnengleich erhellte. Dann veränderte die nächtliche Sonne ihre Farbe und gleich darauf war die ganze Insel in grünes Licht getaucht.
Die Erscheinung hatte dieselbe Form wie Kah-yas Tätowierung und ihm stockte der Atem, als die Sonne in seiner Handfläche aufglühte, als würde sie ihrer großen Schwester am Firmament einen Gruß schicken. Da fiel ein Lichtstrahl wie eine Säule vom Himmel und hüllte Kah-ya ein. Das Leuchten kroch in seine Seele, erfüllte seinen Körper, blickte ihm ins Herz. Kah-ya fühlte sich emporgehoben, als würde er schweben, und wieder sprach die Stimme zu ihm:
»Habe Vertrauen, Kah-ya! Mensch – Sonnenkind – Träger der Hoffnung deiner Freunde! Wenn du an deine Kraft glaubst, kannst du den Regen nach oben fallen lassen, Wünsche werden wahr und die grüne Sonne wird dir den Weg weisen. Glaube an dich, Kah-ya, denn du bist ein Teil der Sterne, und die Sterne sind ein Teil von dir! Vertraue dir, Kah-ya, vertraue … und die Deinen werden niemals vernichtet werden, sondern im Glanz der grünen Sonne glücklich sein!«
Dann stürzte die nächtliche Sonne mit einem langen Feuerschweif ins Meer und Kah-ya fiel in eine tiefe Ohnmacht.
Als er erwachte, standen die Sterne wieder wie seit Millionen Jahren an ihrem Platz, die Sonne und das grüne Licht waren verschwunden.
In der Bucht, dort, wo die Sonne ins Meer gestürzt war, lag ein wunderschönes Segelschiff vor Anker. Ein Schiff – als Geschenk der Sterne!
Für die Bewohner der Insel begann nun eine glückliche Zeit. Das Schiff bedeutete nicht nur die Rettung der Kinder, nein, es verwandelte das ganze Land in ein Paradies. Denn das Schiff war nur die Hülle eines noch größeren Geschenks: Auf einer Säule im Bauch des Schiffes stand eine grüne Kugel. Acht in die Kugel eingelassene Einzelteile verliehen ihr magische Kräfte. Jedes dieser Teile trug eine Vertiefung in Form einer kleinen Hand. Welchen Wunsch die Kinder auch immer hatten – alles, was sie tun mussten, war, die Hand in die Vertiefung zu legen und fest an ihren Wunsch und ihre Kraft zu glauben. Dann spielte die Kugel eine Melodie, ein grüner Schleier zog über den Himmel und für einen Moment wurde die ganze Insel in ein grünes Licht getaucht. Sobald die Melodie verklang und das Licht wieder verschwunden war, hatte sich der Wunsch erfüllt. Was auch immer den Kindern in den Sinn kam, es wurde Wirklichkeit. Mit der Fantasie der Kinder und der Macht dieser Wunsch-Maschine, wie die Kinder sie nannten, wurden auf der Insel Träume wahr.
Jeder Tag brachte neue Überraschungen, sie spielten ›Nachfliegen‹ in den Wolken, dachten sich neues, noch süßeres und noch bunteres Obst aus, erfanden die verrücktesten Fabelwesen, und alles war sofort da, genau, wie sie es sich vorgestellt hatten. Fliegende Trompeten in Form von zitronengelben Vögeln mit langen trichterförmigen Schnäbeln sausten umher – ihre Trompetenstöße ließen die Luft erzittern. Himmelblaue Elefanten galoppierten über einen violetten Strand, während am Horizont purpurrot vier Monde aufgingen. Es gab nichts, was nicht möglich gewesen wäre.
Zum Dank an die grüne Sonne nannten die Kinder ihre Insel Kah-newa, das Sonnenland. Als ihr Zeichen wählten sie das Symbol, das Kah-ya in der Handfläche trug und das auch auf der Maschine eingelassen war. Dieses Symbol wurde zum Zeichen Kah-newas, der Insel, in der sich die Kinder eine eigene Welt erschufen. Eine Welt, geboren aus dem Glauben an Träume.
Eines der Kinder war sehr still und blieb stets für sich, wenn die anderen ihre Tage mit Spielen und Wünschen verbrachten. Es verweigerte das Essen und wenn es schlief, hatte es Alpträume. Also ging Kah-ya eines Tages hin und fragte das Kind, warum es traurig sei. Es antwortete, dass es seine Eltern, seine Verwandten und seine älteren Geschwister vermisse. Niemand außer diesem Kind hatte jemals wieder an seine Familie gedacht, alle waren viel zu sehr mit der Erfüllung ihrer Wünsche beschäftigt gewesen. Jetzt schämten sie sich und trauerten um ihre Eltern, aber Kah-ya lachte nur.
»Darum seid ihr traurig, ist das alles?«
Er legte seine Hand auf die Maschine und erinnerte sich an jene, die gestorben waren, an alle Mütter und Väter, alle Geschwister, alle Erwachsenen ihres Stammes. In der nächsten Sekunde wurde die Insel in das grüne Licht getaucht und als dieses wieder verschwand, fielen die Kinder ihren Eltern in die Arme. Kah-ya stand daneben und sah zu – er hatte keine Eltern und niemanden sonst, der ihn in die Arme hätte schließen wollen. Keiner der Erwachsenen konnte sich daran erinnern, was geschehen war. Als die Kinder es ihnen erzählten, glaubten sie zunächst kein Wort, bis sie die wunderbare Maschine sahen und bestaunten, was die Kinder damit gezaubert hatten.
Nun war das Glück auf der Insel nur noch von kurzer Dauer. Natürlich konnte Kah-ya nicht Häuptling bleiben, denn die Erwachsenen wollten sich nicht von einem Kind anführen lassen.
Kah-ya gab seinen Schmuck zurück an den alten Häuptling, der von ihm wissen wollte, wie die Maschine zu benutzen sei. Überhaupt waren die Erwachsenen der Meinung, dass ein derart machtvolles Instrument nicht in die Hände von Kindern gehöre, die es nur dazu verwendeten, sich ›unnützes Zeug‹ wie Fabelwesen oder purpurrote Mondaufgänge zu wünschen. Man konnte sich schließlich nützlichere Dinge wünschen, wie Diener, die einem in der Hitze kühle Luft zufächelten, oder Reichtümer in Hülle und Fülle oder gewaltige Kriegsschiffe, um andere Länder zu erobern. Doch als die Erwachsenen versuchten, die Maschine zu bedienen, mussten sie feststellen, dass ihre Hände nicht in die Vertiefungen passten. Sie waren viel zu groß.
Also wollten sie die Kinder überreden, ihre Begehrlichkeiten für sie zu wünschen. Sie versuchten es mit Schmeicheleien und der Aussicht auf reichen Lohn, aber dank der Maschine hatten die Kinder alles, was sie sich erträumten. Dann versuchten die Erwachsenen es mit Drohungen, doch die Kinder wünschten sich mithilfe der Maschine einen keulenschwingenden, zweieinhalb Meter großen Gorilla, um sie zu beschützen. Die Erwachsenen sahen ein, dass sie auf diese Weise nicht weiterkamen, und die Kinder wünschten sich singende blaue Giraffen und hüpfendes Obst.
In der folgenden Nacht trafen sich die Erwachsenen heimlich am Strand. Sie beschlossen, die Maschine zu stehlen und sie von der Insel fortzuschaffen. Mit der Hilfe anderer Kinder, die die Macht der Maschine nicht kannten, wollten sie ihre Wünsche erfüllen, um ein neues, riesiges Reich zu gründen. Es würde das mächtigste Reich der Welt sein und niemand würde die Macht haben, sie aufzuhalten, wenn sie auszogen, um die anderen Länder zu erobern. Der König dieses neuen Reichs würde schon bald der mächtigste Mann der Erde sein.
Schnell gerieten die Erwachsenen in Streit darüber, wessen Wünsche die fremden Kinder erfüllen sollten und wer der Herrscher des neuen Reichs sein würde. Jeder glaubte, Anspruch auf den Thron zu haben, niemand wollte dem anderen gönnen, der mächtigste Mensch der Welt zu werden. Sie gingen aufeinander los, sie traten und sie schlugen sich, und machten dabei einen solchen Lärm, dass Kah-ya aus dem Schlaf gerissen wurde.
Als er an den Strand gelaufen kam, musste er mit ansehen, wie die Erwachsenen in ihrer Gier über das Schiff herfielen. Jeder kämpfte gegen jeden und versuchte, die Maschine an sich zu bringen. Die Kugel wurde hin und her gezerrt, bis sie schließlich zu Boden fiel und zerbrach. Die acht magischen Einzelteile fielen heraus und rollten über den Boden. Wieder begannen die Erwachsenen, miteinander zu ringen, um eines dieser Teile zu bekommen. So zerstörten sie die Maschine und die Insel im selben Augenblick. Diejenigen, die eines der magischen Teile ergattert hatten, verließen Kah-newa noch in derselben Nacht, aus Angst, jemand könne ihnen ihre Beute stehlen.
Kah-ya saß weinend an Deck des verlassenen Schiffes, das nur noch eine hohle, geplünderte Hülle war, nutzlos geworden durch die Gier der Menschen. Er hatte Kah-newa, das Land, in dem Träume wahr wurden, gewonnen, und ebenso hatte er es wieder verloren. Es würde keine blauen Elefanten und kein Versteckspiel in den Wolken mehr geben und über kurz oder lang würden die Menschen der Insel wieder hungern müssen.
Er blickte auf die zerstörte Kugel, deren Trümmer überall verstreut lagen. Noch immer schluchzend, als hätte er Schluckauf, sammelte er die Scherben ein und setzte sie sorgfältig wieder zusammen. Doch die acht wichtigsten Teile fehlten. Nun blieb keine Hoffnung mehr; sein Versuch, die Kinder zu retten, war gescheitert. Mit Gliedern, die schwer waren vor Kummer, erhob sich Kah-ya und fing an zu tanzen. Er schloss die Augen, streckte die Arme aus und drehte sich langsam um seine eigene Achse. Wie von selbst wurde er schneller und schneller und je wilder er sich drehte, desto mehr Tränen vergoss er. Noch schneller, Kah-ya, tanze, wirbele umher, spring in die Luft, schlag Rollen und weine, weine über das Unglück, das über dein Land gekommen ist!
Kah-ya öffnete den Mund, doch der ersehnte Schrei wollte sich nicht formen. Oh, wie sehr sehnte er sich nach der Wut, die ihn damals am Lagerfeuer erfasst hatte. Er hätte alles dafür gegeben, wieder diesen Zorn zu spüren, doch in ihm war nichts als unendlich tiefe Traurigkeit. Schwer atmend hielt er an, nahm seine Flöte und spielte eine traurige Melodie. Seine Tränen versiegten. Die Melodie erfüllte die Nacht, stieg auf, verlor sich in der Unendlichkeit des nächtlichen Himmels.
»Sei nicht traurig, Kah-ya. Schöpfe Mut! Denn Kah-newa wird leben! Hab Vertrauen und sei klug, dann wird sich alles fügen! Eines Tages werden Kinder kommen, so mutig wie du und so klug wie du. Sie dürfen wieder vereinen, was zusammengehört.
»Durch salzige Fluten soll es pflügen, soll suchen und finden, was getrennt. Neu erstehe durch Kinderhand das Herz, das auseinandergerissen ist und verstreut. Und zu neuem Leben erwache das Land Kah-newa.
»Ein letzter Wunsch soll dir gewährt sein, Kah-ya. Nutze ihn im Gedenken an die Kinder, die da kommen werden, eines Tages, in weiter, ferner Zukunft. Horche tief in dich hinein, wünsche dir, was dein Herz dir sagt, und dein Traum von einem Land der Fantasie, einem Land, in dem alles möglich ist, dein Traum von Kah-newa kann immer noch wahr werden. Horche in dich hinein, Kah-ya, für die Kinder, die nach dir kommen!«
Plötzlich fiel ein blendend heller, grüner Lichtstrahl aus dem Himmel genau auf den Sockel der Kugel. Dort war eine weitere Vertiefung in Form einer Hand eingelassen, die bisher niemand bemerkt hatte. Kah-ya schloss die Augen, legte seine Hand in die Vertiefung und wünschte sich, sein Land und sein Volk würden von der Erde getilgt, um neu geboren zu werden, wenn die Zeit gekommen sei. Er wünschte sich, dass das Schiff und die Reste der Maschine verschwänden; einzig ihr Herz sollte zurückbleiben, geschützt von einem Kokon, der stark genug war, die Jahrtausende zu überdauern – nur zu öffnen durch Kinderhand, Klugheit und Mut. Und er wünschte sich, dass diese klugen, mutigen Kinder den Kokon öffnen und das Schiff und die Maschine auferstehen lassen würden, damit sie ihnen bei der Suche nach den magischen Einzelteilen beistehen konnten. Kah-ya konzentrierte sich so sehr, dass er fast meinte, die fremden Kinder vor sich zu sehen, und spürte einen mächtigen Energiestrom, der sich durch seinen Arm in seinen Körper ergoss. Dann verlor er das Bewusstsein.
Als er wieder zu sich kam, lag er in einer verwunschenen Höhle. Nur wenige Sonnenstrahlen drangen durch die Blätter der üppigen Kletterpflanzen, die den Eingang überwucherten, doch wo sie auf den Boden trafen, überzogen sie den Sand mit einem hellgrünen Glitzern. Vor ihm lag ein massiver Kasten mit der vertrauten Vertiefung in Form einer Hand. Der Deckel war geöffnet und gab den Blick auf eine Glasflasche frei, in deren Bauch sich – winzig klein – das Schiff befand.
Andächtig klappte Kah-ya den Deckel zu, ließ für einen Moment seine Finger darauf liegen und sprach:
»Die Reinheit des Willens, die Reinheit der Absicht, die Reinheit des Gewesenen und des Kommenden werden die acht Teile zusammenfügen und sie leuchten lassen wie eins. An dem Tag, an dem die grüne Sonne wieder am Himmel erscheint, wird Kah-newa neu erstehen. Unsere Befreier haben die Macht, unserer alten Welt neues Leben zu schenken und sie zu formen.«
Kah-ya erhob sich. Er versteckte den Kasten in einer dunklen Felsnische, verließ die Höhle und verschwand in der Nacht.
Alexander von Eisenhart Rothe
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